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Für viele Niederländer und Belgier erscheint Thailand als attraktives Land für einen Neuanfang. Hans Dekkers kennt diesen Traum, weiß aber auch, wie hartnäckig die Realität sein kann. Er lebt seit 35 Jahren in Thailand, an mindestens fünfzehn verschiedenen Orten, von Bangkok und Hua Hin bis in den Nordosten und nach Chiang Mai.

Seine Geschichte ist keine glatte Erfolgsgeschichte, sondern ein ehrlicher Bericht über das Ausprobieren, Umziehen, Fehler machen und Weitermachen. Genau deshalb ist sie wertvoll für jeden, der über Auswanderung, Unternehmensgründung oder einen längeren Aufenthalt nachdenkt. Thailand hat viel zu bieten, sagt er, aber nur, wenn man bereit ist, genau hinzusehen, zu lernen und seine Erwartungen anzupassen.

Vom Rucksacktouristen zum Unternehmer in Chiang Mai

Hans kam Anfang der 90er-Jahre als Rucksacktourist nach Thailand. Seine lange Reise führte ihn durch China, Hongkong, Nepal, Malaysia und Indonesien. Fast ein Jahr lang reiste er mit 10.000 Gulden. Zurück in den Niederlanden begann er als Reiseleiter für Gruppenreisen nach China und später auch nach Thailand zu arbeiten. Durch diese Arbeit kam er immer öfter nach Chiang Mai, sodass die Entscheidung für den Norden naheliegend war. Praktisch, weil er so während seiner Reisen immer wieder zu Hause sein konnte, aber vor allem persönlich. Er liebt Motorradfahren, Radfahren und Abenteuer und fand im Norden viel mehr davon als in Bangkok oder auf den Inseln.

In Thailand gründete er verschiedene Unternehmen. Er vermietete Immobilien und eröffnete unter anderem Cafés, Restaurants und eine Pension. Später verlagerte er seinen Schwerpunkt auf Reisen und Fahrradtouren. Heute vermietet er Fahrräder und Roller im Zentrum von Chiang Mai, organisiert Radtouren von einem halben Tag bis zu zehn Tagen und bietet Komplettreisen für Familien an, die sich um nichts kümmern möchten – von Bangkok nach Bangkok. Besonders hervorzuheben sind seine selbstgeführten Fahrradtouren mit GPX-Routen, Hotelbuchungen, Gepäcktransport und Packtaschen, allerdings ohne Guide. Seiner Meinung nach ist dies besonders attraktiv für Menschen, die Unabhängigkeit suchen und handwerklich geschickt sind.

Warum sich Fahrradtouren abheben und wie sich Chiang Mai verändert hat

Hans' Routen entstanden aus altmodischer Detektivarbeit. Zu Beginn fuhr er einen Monat lang mit seinem Moped durch die Gegend, um jeden noch so kleinen Weg zu erkunden. Damals waren viele dieser Wege weder auf Karten noch in digitalen Systemen verzeichnet. So entstanden Routen, die Touristen normalerweise nicht entdecken. Laut Hans liegt genau darin die Stärke seiner Touren. Man sieht Orte, die fast niemand besucht, Reisfelder, kleine Dörfer und kommt mit den Einheimischen in Kontakt. Selbst die mehrtägige Reise von Chiang Mai nach Bangkok folgt größtenteils dem Ping-Fluss und später dem Chao Phraya und meidet dabei so weit wie möglich die Hauptstraßen.

Gleichzeitig erlebte er den dramatischen Wandel Chiang Mais. Als er dorthin zog, hatte die Stadt seinen Angaben zufolge etwa 80.000 Einwohner. Seitdem ist das Gebiet um ein Vielfaches gewachsen, auch durch die umliegenden Dörfer. Früher gab es keine Handys, und man traf Bekannte einfach in einem der drei beliebten Cafés. Es gab viel Livemusik und eine ausgeprägte Reiseatmosphäre. Heute ist Chiang Mai touristischer, geschäftiger und, seinen Augen nach, weniger spontan. Die Ära des authentischen Reisens ist weitgehend vorbei. Dennoch bleibt es für ihn die schönste Region Thailands, gerade wegen der Landschaft, der Freiheit und der Möglichkeiten für Abenteuer.

Das Leben in Thailand erfordert mehr als Begeisterung.

Hans hat sich in vielerlei Hinsicht an Thailand gewöhnt. Warmes Essen am Morgen, Nudelsuppe, gebratener Reis oder Curry sind für ihn völlig normal. Auch Bier mit Eis überrascht ihn nicht mehr. Doch die größte Umstellung liegt laut ihm nicht im Essen, sondern in der Kommunikation. In den Niederlanden gilt Direktheit oft als ehrlich und stark. In Thailand funktioniert das ganz anders. Man kommt weiter, indem man indirekt, höflich und mit Augenmaß antwortet. Diesen kulturellen Unterschied hat er im Laufe der Jahre verinnerlicht.

Er bezeichnet die thailändische Sprache als unverzichtbar. Er selbst fing bei Null an, nahm Unterricht und lernte das Alphabet mithilfe von Kinderbüchern. Danach ging es schnell voran. Erst Schilder, später Zeitungen. Seiner Meinung nach verbessert sich das ganze Leben, sobald man Thai spricht. Man versteht mehr, lernt interessantere Menschen kennen und ist unabhängiger. Genau hier machen viele Ausländer den Fehler. Sie eröffnen voller Elan ein Café oder ein anderes Geschäft, doch ohne Sprachkenntnisse ist man schnell auf Vermittler, Bekannte oder Berater angewiesen, die nicht immer die eigenen Interessen in den Vordergrund stellen.

Geschäftstätigkeit, Visaangelegenheiten und das Leben in den eigenen vier Wänden sind nicht so einfach, wie es scheint.

Laut Hans ist das Geschäft in Thailand auf den ersten Blick oft einfacher, als man denkt. Bürokratie und Genehmigungen sind oft unkomplizierter als in Europa, was viele Neulinge zu übereilten Entscheidungen verleitet. Doch die eigentlichen Schwierigkeiten beginnen erst danach. Ein Unternehmen ohne Kenntnisse der Sprache, der Regeln und der lokalen Gegebenheiten zu führen, ist schwierig. Seinen eigenen Erfahrungen nach haben mehr Menschen das Land verlassen als Erfolg gehabt. Träume prallen oft auf die Realität, insbesondere wenn man zu gutgläubig ist oder glaubt, ein englischsprachiger Anwalt garantiere automatisch Sicherheit. Thailand sei zwar flexibel, sagt er, aber dennoch ein Land mit Gesetzen und Fallstricken.

Sein Rat ist daher eindeutig: Kommen Sie zunächst und leben Sie dort für längere Zeit, ohne sofort ein Unternehmen zu gründen. Bleiben Sie einige Monate an einem Ort, lernen Sie das lokale Leben kennen und hören Sie auf die Erfahrungen anderer. Er fasst dies mit einer bekannten Warnung zusammen: Wer in Thailand ein kleines Vermögen anhäufen möchte, muss mit einem großen Vermögen anreisen. Auch bei Visaangelegenheiten ist die Vorbereitung entscheidend. Für über Fünfzigjährige, die vor allem ein ruhiges Leben führen möchten, ist ein Rentnervisum relativ unkompliziert. Anders sieht es aus, wenn man ein Unternehmen gründen möchte. Dann benötigt man ein Geschäftsvisum, muss Gehaltsvorgaben erfüllen, Steuern zahlen und viele weitere Auflagen erfüllen.

Geld, Fürsorge und Besitz bleiben die härteste Realität

Hans ist pragmatisch, was Geld angeht. Thailand sei zwar teurer geworden, sagt er, aber im Vergleich zu Europa immer noch bezahlbar. Dennoch ist er der Meinung, dass man nicht nach Thailand ziehen sollte, um am Existenzminimum zu leben. Wer sich keine Versicherung leisten kann, kaum Transportmittel besitzt und nur das billigste Zimmer oder Essen nehmen kann, dem bleibt seiner Ansicht nach wenig vom vermeintlichen Paradies. Man könne zwar immer noch günstig essen, aber ein Leben am Existenzminimum mache Thailand nicht besser. Das habe er auch während der COVID-19-Pandemie erlebt, als der Tourismus zum Erliegen kam, Menschen über Nacht ohne Einkommen dastanden und Lebensmittelhilfe in Chiang Mai dringend benötigt wurde.

Seiner Meinung nach erfordern Wohnen und Kaufen mindestens genauso viel Realismus. Mieten ist unkompliziert, doch Verträge sind weniger verbindlich als in Europa, und eine Verlängerung bietet keine absolute Sicherheit. Als Ausländer kann man kein Land kaufen. Man kann zwar mit einem thailändischen Partner, einer Vertrauensperson, einem Unternehmen oder durch einen langfristigen Pachtvertrag zusammenarbeiten, doch jedes Modell birgt Risiken. Der Kauf einer Eigentumswohnung auf eigenen Namen ist hingegen möglich, solange die Quote für ausländische Bewohner im Gebäude noch nicht erreicht ist. Ähnliches gilt für die Gesundheitsversorgung. Staatliche Krankenhäuser seien zwar medizinisch gut ausgestattet, aber überlastet und langsamer. Privatkliniken seien komfortabler, aber teurer. Er selbst zahle jährlich rund 2000 Euro für eine private Krankenversicherung mit Selbstbeteiligung und Krankenhausleistungen.

Für Hans ist Thailand weder ein Märchen noch eine Enttäuschung. Es ist ein Land, in dem vieles möglich ist, aber nur für diejenigen, die bereit sind, geduldig zu lernen, Risiken ernst zu nehmen und nicht nur aufgrund von Urlaubsgefühlen abzureisen. Wer das tut, erhöht seine Chancen auf ein gutes Leben deutlich.

Quelle: Friday Feeling

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