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Für viele Niederländer, Belgier und andere Westler erscheint Thailand als idealer Ort für einen Neuanfang. Warmes Wetter, niedrigere Lebenshaltungskosten und ein ruhigeres Leben locken seit Jahren Rentner und andere Auswanderer an. Doch hinter diesem attraktiven Bild verbirgt sich eine Realität, in der Distanz, Abhängigkeit und Anpassung sich als schwieriger erweisen können als erwartet.

Genaue Zahlen zur Rückkehr aufgrund von Heimweh gibt es nicht, nicht einmal für Thailand. Dennoch deuten Migrationsdaten, Studien und praktische Erfahrungen in dieselbe Richtung. Heimweh ist selten ein isoliertes Gefühl, sondern entsteht oft aus einer Kombination von Einsamkeit, dem Vermissen der Familie, gesundheitlichen Sorgen, Beziehungsproblemen, bürokratischem Stress und einer häufig enttäuschenden Integration in den Alltag.

Große Gemeinschaft, aber keine genaue Zahl der Heimweh-Fälle

Wer wissen möchte, wie viele westliche Auswanderer Thailand aus Heimweh verlassen, stößt sofort auf einen Mangel an direkten Zahlen. Offizielle Aufzeichnungen erfassen zwar in der Regel Visa, Aufenthaltsgenehmigungen oder registrierte Landsleute, aber nicht den persönlichen Grund für die spätere Auswanderung. Dadurch verschwindet Heimweh in allgemeineren Kategorien wie Rückwanderung, Rückkehr oder Ausreise aus Thailand. Dies erschwert es, das Problem präzise zu erfassen, selbst für Niederländer und Belgier.

Die hier besprochene Gruppe ist jedoch keineswegs klein. Akademische Studien beziffern die Zahl der ausländischen Rentner in Thailand im Jahr 2018 auf fast 73.000. Zudem stieg die Zahl der Rentenvisa von über 10.700 im Jahr 2005 auf mehr als 52.000 im Jahr 2021. Für Belgien ist bekannt, dass im Juni 2025 3743 Belgier offiziell in Thailand registriert waren, wobei die Regierung selbst darauf hinweist, dass diese Zahl wahrscheinlich zu niedrig angesetzt ist, da die Registrierung nicht verpflichtend ist. Für die Niederlande fehlen ähnlich präzise und aktuelle Gesamtzahlen, doch zeigen Teilstudien, dass Thailand weiterhin ein wichtiges Ziel für niederländische Rentner ist.

Die Niederländer kehren nachweislich relativ häufig zurück.

Die aussagekräftigsten Zahlen stammen aus den Niederlanden. Ältere Daten des Zentralen Statistikamtes (CBS) zeigen, dass 28,7 Prozent der Niederländer, die nach Thailand auswanderten, innerhalb von zwei Jahren in die Niederlande zurückkehrten. Dieser Wert lag deutlich über dem Durchschnitt von 20,5 Prozent für alle Zielländer in derselben Analyse. Diese Zahlen deuten nicht darauf hin, dass all diese Menschen aus Heimweh auswanderten, sondern zeigen vielmehr, dass die Auswanderung nach Thailand im Vergleich zu vielen anderen Auswanderungsformen relativ häufig und schneller scheiterte.

Neuere Daten zu Rentenmigranten bestätigen dieses Bild auf andere Weise. Anfang 2021 zählte eine niederländische Studie 1028 niederländische Rentner im Alter von 66 bis 90 Jahren in Thailand. Andere Untersuchungen ergaben, dass nur 5 Prozent der internationalen Rentenmigranten mit einer Rückkehr innerhalb von drei Jahren rechneten, während tatsächlich fast 9 Prozent zurückkehrten. Setzt sich dieser Trend fort, würde etwa ein Drittel vor dem 80. Lebensjahr zurückkehren. Für Belgier fehlen vergleichbare öffentliche Rückkehrzahlen nahezu vollständig. Daher ist für Belgier zwar die Richtung erkennbar, nicht aber das genaue Ausmaß.

Heimweh ist in der Regel kein isoliertes Problem, sondern ein sich anhäufendes.

Heimweh tritt in der Praxis selten allein auf. Es entsteht oft aus einem Zusammenspiel sozialer und praktischer Faktoren. Die Abwesenheit von Kindern, Enkelkindern, Geschwistern und alten Freunden wird aus der Ferne umso spürbarer, insbesondere bei Krankheit, Verlust oder familiären Problemen. Dies gilt besonders für ältere Auswanderer. Für sie mag eine ruhige Umgebung zunächst verlockend erscheinen, kann sich aber später in ein Gefühl der Leere oder sozialen Isolation verwandeln.

Sprache und Kultur spielen hier eine entscheidende Rolle. Man kommt in Thailand oft gut zurecht, ohne fließend Thai zu sprechen, aber das bedeutet nicht, dass man sich wirklich zu Hause fühlt. Gerade unter Ausländern in Bangkok zeigt sich immer wieder, dass Sprache und Bürokratie hartnäckige Hürden darstellen. Formulare, Visa, Bankgeschäfte, Arztbesuche und behördliche Vorschriften erfordern ständige Anstrengungen. Wer kein starkes lokales Netzwerk hat, läuft Gefahr, in einer kleinen Expat-Szene oder ausschließlich im Umfeld des Partners festzustecken. Genau dann findet das Heimweh mehr Raum, denn obwohl der Alltag weitergeht, kann es nicht richtig Fuß fassen.

Gesundheitliche Probleme, Abhängigkeit und Beziehungsprobleme erschweren die Situation.

Untersuchungen zu Rentnermigranten zeigen, dass ein schlechter Gesundheitszustand die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr erhöht. Das ist logisch. Solange man gesund ist, erscheint Thailand oft überschaubar und attraktiv. Doch wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert, ändert sich vieles schlagartig. Der Bedarf an medizinischer Versorgung wird dringlicher, die Versicherung wichtiger, bürokratische Angelegenheiten komplizierter und das Bedürfnis nach vertrauten sozialen Kontakten wächst. Dann verliert die Entfernung zu den Niederlanden oder Belgien plötzlich ihre abstrakte Bedeutung und wird sehr konkret.

Studien zeigen, dass insbesondere ältere westliche Männer in Thailand oft stark von ihren thailändischen Partnerinnen abhängig sind – sei es in Bezug auf tägliche Unterstützung, Sprache, Pflege oder Organisation. Solange alles stabil bleibt, muss dies kein Problem darstellen, doch es birgt Risiken. Verschlechtert sich eine Beziehung, zieht sich eine Partnerin zurück oder steigt der Pflegebedarf, kann sich ein Auswanderer plötzlich isoliert und hilflos fühlen. Heimweh wird dann nicht nur emotional, sondern auch praktisch relevant. Es geht nicht mehr nur darum, wo man leben möchte, sondern auch darum, wo man sicher leben, Pflege erhalten und selbstständig sein kann.

Heimweh beeinträchtigt auch das psychische Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit im Alltag.

Heimweh in Thailand äußert sich meist nicht in einer einfachen Sehnsucht nach der Heimat, sondern in einer Anhäufung von Klagen und Verhaltensweisen. Betroffene werden ernster, ziehen sich zurück, verlieren ihren Rhythmus und ihre Initiative oder sind leichter reizbar. Neue Kontakte zu knüpfen fällt schwerer, während alte Beziehungen in der Heimat an Bedeutung gewinnen. So entsteht ein Ungleichgewicht im Leben: Man befindet sich zwar körperlich in Thailand, aber emotional ist man gedanklich immer mehr in den Niederlanden oder Belgien.

Diese Spannung wirkt sich auch auf Beziehungen aus. Ein Partner wird dann nicht nur Geliebter, sondern gleichzeitig Dolmetscher, Organisator, sozialer Anker und mitunter auch Pflegeperson. Das belastet die Beziehung. Auch der Unterschied zwischen Urlaub und dauerhaftem Wohnsitz spielt eine Rolle. Was sich während einer Reise wie Freiheit anfühlt, kann langfristig zu Langeweile, dem Verlust von Routine oder dem Gefühl, nirgendwo wirklich dazuzugehören, führen. Heimweh ist daher manchmal eine vorübergehende Anpassungsphase, kann sich aber auch zu einem strukturellen Problem entwickeln, das das Risiko einer gescheiterten Auswanderung deutlich erhöht.

Was Sie gegen Heimweh tun können

Der beste Schutz beginnt schon vor der Abreise. Viele Auswanderer bereiten ihre Finanzen zwar gut vor, unterschätzen aber die sozialen und psychologischen Aspekte. Genau hier liegt oft das größte Risiko. Eine längere Probezeit abseits des Urlaubsmodus ist klüger als ein überstürzter, endgültiger Schritt. So bekommt man ein besseres Gefühl dafür, wie es ist, monatelang in Thailand zu leben – mit einem normalen Alltag, festen Rechnungen, weniger Besuchern und einem kleineren sozialen Netz.

In der Praxis scheint insbesondere dieser Ansatz der vielversprechendste zu sein:

  • bewusst ein lokales Netzwerk aufbauen, auch außerhalb des Expat-Kreises;
  • einen stabilen und realistischen Kontakt zu Familie und Freunden in der Heimat pflegen;
  • Sorgen Sie für eine Tagesstruktur, Aktivitäten und einen Rhythmus, die Ihnen zusagen;
  • Lernen Sie zumindest funktionales Thai für Alltagssituationen;
  • Wählen Sie einen Wohnort, der Ihrem Alter, Ihrer Gesundheit und Ihrer Mobilität entspricht;
  • Sorgen Sie im Voraus für Gesundheitsversorgung, Versicherungen, Notfallkontakte und einen finanziellen Puffer.
  • Anhaltende Trübsinnigkeit, Isolation oder Beziehungsprobleme frühzeitig ernst nehmen;
  • • Planen Sie Rückbesuche bewusst ein, ohne ständig zwischen zwei Leben hin- und hergerissen zu sein.

Wer sich vor Ort verwurzelt und gleichzeitig die Verbindung zur Heimat aufrechterhält, hat deutlich größere Chancen, Thailand langfristig als Heimat zu erleben.

Heimweh unter westlichen Auswanderern in Thailand lässt sich schwer messen, ist aber sicherlich kein unbedeutendes Problem. Ältere Niederländer und Belgier mit einem kleinen sozialen Netzwerk, starken familiären Bindungen in der Heimat, gesundheitlichen Problemen oder einer hohen Abhängigkeit vom Partner sind besonders gefährdet. Wer mit einer realistischen Perspektive auswandert, sich aktiv integriert und ein solides soziales Netz aufbaut, verringert das Risiko, dass der Auswanderungstraum letztendlich scheitert.

Quellen: CBS, NIDI, Population Europe, Belgisches Diplomatiebüro, Ageing & Society, InterNations, Österreichische Akademie der Wissenschaften

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